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Pressestimmen: Romantische Klaviermusik zu zwei und vier Händen am 06.04.2008
SZBZ (09.04.2008)  —  "Vier Hände für Romantik
Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden

Erst vor gut einem Monat wurde die renovierte Altdorfer Festhalle eingeweiht. Zum Klavierabend mit Christoph Ewers und Michael Kuhn hätte man nun meinen können, bei dem Haus handle es sich um einen längst etablierten Konzertsaal. Die Kulturinitiative Altdorf als Veranstalter freute sich über einen regelrechten Besucheransturm.

Rund 300 Besucher wollten sich das Klavierereignis nicht entgehen lassen, das für Kenner der Szene auf kaum glaubwürdige Art angekündigt war: Der Schönaicher Pianist Michael Kuhn und der Altdorfer Christoph Ewers präsentieren erstmals an einem Abend romantische Klaviermusik zu zwei und vier Händen.

Kaum glaubwürdig, weil die beiden Pianisten schon seit zig Jahren immer wieder als Duo auftreten und insbesondere Kuhn, aber auch Ewers der Romantik keinesfalls abgeneigt sind. Eher gilt das Gegenteil. Wenn man allerdings bedenkt, dass beide oftmals an zwei Flügeln konzertierten, dabei oft ein Messiaen oder Debussy auch auf dem Programm stand, dann kann das "erstmals", bezogen auf reinrassige Romantik, sogar stimmen.

Allerdings waren es nicht die Vierhänder, die sich an diesem Abend mit einem angemieteten Bösendorfer-Konzertflügel das Prädikat "besonders wertvoll" verdienten. Was keineswegs an der fehlenden Abstimmung der Pianisten lag.

Bei drei Stücken aus Dvoraks "Aus dem Böhmerwald" etwa überzeugte sowohl das musikalische Feuer eines vertonten Hexensabbaths ("Walpurgisnacht"), atmosphärisch differenzierte Zeichnung ("Am schwarzen See") und impulsiver, doch keinesfalls kopfloser Zugriff ("Aus stürmischen Zeiten"). An Dvoraks so glutvoll-plastische, so suggestiv wie rhythmisch reichen Stücke aber reichte Czernys "Ouverture caractéristique" nicht hin, die trotz an Schubert erinnernder Passagen viel deutlicher in der Klassik wurzelte und trotz brillanter Laufpassagen eher steif und klanglich recht reizlos daherkam.

Und bei Liszts "Les Préludes" inszenierte das Duo zwar wirkungsvoll die grüblerische Tiefgründigkeit des Anfangs, steigerte das toll zu einem ersten dramatischen Gipfel. Aber dann hangelt sich das Werk von kleinen Delikatessen hier, Aufbrausen dort so fort und fort. Tatsächlich bleibt das Gefühl, einem ewigen Vorspiel beizuwohnen. Auf den Anfang des Hauptstücks wartet man so - sehr lang - vergeblich.

Mit Chopins Polonaise cis-moll sowie vor allem Chopins cis-moll-Scherzo (op. 39) interpretierte Michael Kuhn dagegen Klavier-Klassiker. Vor allem beim tückischen Scherzo schlug Kuhn ein höllisches Tempo ein, ging das Ganze mehr federnd als markig an um am Ende dann einen rauschhaft markant gesteigerten Wirkungsschluss hinzulegen. Statt polternd vergleichsweise leicht und spritzig seine Polonaiseninterpretation, die in den Schwierigkeiten überhaupt keine Zugeständnisse machte, die Lyrismen aber überraschend geduldig auslotete.

Christoph Ewers präsentierte sich klanglich ansprechend mit den drei letzten Klavierstücken (D 946) Schuberts. Sehr schön zeigte Christoph Ewers den merkwürdig disparaten Geist auf, der diese Stücke behaust, die ganz seltsam zwischen Süße, unruhiger Gehetztheit, Ungutes verheißender Untergründigkeit und scheinbarer Oberflächlichkeit oszillieren.

Letztlich aber bleibt festzuhalten: Mit der neuen Festhalle hat Altdorf nun wieder einen Saal, mit dem sich sowohl akustisch wie von der Aufmachung her ordentlich Staat auch für ernst-anspruchsvolle Klassikveranstaltungen machen lässt."


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